Einsatz
Hilfstransport
Bei Nacht und Nebel Transport organisiert
Euskirchen - 31. August 2010
Der überraschende Einsatzbefehl für das Technische Hilfswerk kam am Dienstag kurz nach 21 Uhr. Die Deutsche Telekom hatte einen Hilfstransport für Pakistan gespendet und kurzfristig in Auftrag gegeben.
Von Euskirchen aus starteten 17 Lkw, beladen mit 248 Paletten Hilfsgütern für Pakistan, ihre Fahrt zum Leipziger Flughafen. (Bild: Mager)
EUSKIRCHEN - Der überraschende Einsatzbefehl kam kurz nach 21 Uhr. „Bereitschaftsraum errichten!“, lautete die knappe Anweisung für den Ortsverband Euskirchen des Technischen Hilfswerks (THW). Die Informationen, die Christoph Wolf, Einsatzleiter des Bereitstellungsraums und stellvertretender Zugführer der Euskirchener, erhielt, waren zu diesem Zeitpunkt noch äußerst vage.
Es sollten ein Auflieger sowie 16 Lkw mit Anhängern aus ganz Nordrhein-Westfalen anrollen, um von Euskirchen aus Güter nach Leipzig zu transportieren. Was transportiert werden, wo es aufgeladen werden und welchem Projekt der Transport überhaupt dienen sollte, war für ihn da noch völlig unklar.
Binnen einer Stunde hatten Wolf und 13 seiner Kameraden den Parkplatz an der Kreisverwaltung mit einem Lichtmast und zwei so genannten Powermoons (großen, pilzförmigen Strahlern) ausgeleuchtet. An der Einfahrt zum Parkplatz richteten sie einen „Meldekopf“ für die ankommenden Lkw ein. In der THW-Unterkunft am Jülicher Ring wurden Feldbetten auf- und Verpflegung bereitgestellt. Auch Helfer des Deutschen Roten Kreuzes wurden zu später Stunde alarmiert. Sie bereiteten Suppe und Kaffee für die Ankunft der THW-Laster am Bereitstellungsraum vor. Verpflegungspakete wurden gepackt. „Ein Einsatz ist natürlich immer eine Stress-Situation. Aber es war ein entspannter Aufbau“, sagte Wolf. „Solche Sachen werden ja regelmäßig geübt.“
Gegen Mitternacht traf der Ortsverband Bonn-Beuel als erster an der Kreisverwaltung ein. Erwartet wurden auch Einheiten aus Aachen, Leverkusen sowie Mönchengladbach und Krefeld. Währenddessen druckte Stefan Pier in der Unterkunft bereits die ersten Wegbeschreibungen aus. Dann begann das große Warten. Mittlerweile war die Information durchgesickert, dass es sich um einen Transport für Pakistan handele und die Hilfsgüter im Euskirchener DHL-Logistikzentrum lagerten.
Überraschung im DHL-Zentrum
Gegen 8 Uhr morgens sollte der letzte Lkw bepackt vom DHL-Hof rollen, so jedenfalls die Hoffnung der Einsatzkräfte. Denn schließlich sah der Einsatzbefehl vor, dass die Laster gegen 15 Uhr in Leipzig eintreffen sollten, wo die Güter in einen Antonov-Großraumtransporter der NATO verfrachtet werden sollten.
Um 4 Uhr machte sich die erste Kolonne auf zum Euskirchener DHL-Zentrum. Doch dort stand man vor verschlossenen Toren. Der Pförtner zeigte sich reichlich verdutzt über die Männer in den blauen Einsatzanzügen, die da plötzlich vor seiner Tür standen. Da das Logistikzentrum unter strenger Sicherheitsüberwachung steht, war wieder Warten angesagt, bis die ersten Lkw gegen 6 Uhr endlich auf das Gelände durften.
Viele Einsatzkräfte richteten sich bereits darauf ein, statt einem besser zwei freie Tage einzuplanen. Schließlich musste man an Rückfahrt und ein paar Stunden Schlaf denken. In der Zwischenzeit „organisierte“ Dirk Schmitz, Sachbearbeiter „Einsatz“ der THW-Geschäftsstelle Aachen, für die Lkw-Besatzungen einen Schwung von 17 Tageszeitungen aus einem Automaten.
„Wir sind erst gestern gegen 20 Uhr informiert worden, dass der Transport losgeschickt werden soll“, berichtete Dirk Dumnick, von der Leitung der DHL-Niederlassung. Da sei es zu spät gewesen, Personal für einen Arbeitsbeginn um 4 Uhr nachts zu finden und die rund 248 Paletten Hilfsgüter schnell aus dem Hochlager zu holen. „Wir wissen, dass es sehr kurzfristig war“, sagt Andreas Middel von der Pressestelle der Deutschen Telekom, die den Hilfstransport, bestehend aus medizinischen Hygieneartikeln, gespendet und kurzfristig in Auftrag gegeben hatte. „Daher sind wir DHL und THW unheimlich dankbar, dass sie das so kurzfristig geschafft haben.“ Denn als die ersten Arbeiter der DHL eintrafen, wurden viele von ihnen erst einmal dazu abkommandiert, die THW-Laster auf die Reise zu schicken.
Um 8.20 Uhr konnten die Helfer aufatmen. Der erste Lkw - es war das von Christoph Düsseldorf und Daniel Hermanns gesteuerte Euskirchener Fahrzeug - rollte vom DHL-Hof Richtung Leipzig. Bis der letzte Laster sich aus Euskirchen verabschiedete, vergingen aber noch zwei weitere Stunden. Den Flieger erreichten die Laster nach Auskunft des THW aber allesamt „rechtzeitig“. Denn die Antonov verspätete sich selbst bei ihrem Anflug aus Italien...
Link zum Original: Kölnische Rundschau
Bild und Artikel: Johannes Mager - Kölnische Rundschau
Johannes Mager - Kölnische Rundschau