Artikel

„THW-Experten“ für Statik und Strom im Unwettergebiet

02.08.2021
Kategorie: Einsatz, Autor: Michael Philipp

Euskirchen. Kann ich mein Haus noch gefahrlos betreten? Was mache ich ohne Strom? Diese Fragen stellen sich nach der Unwetterkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz unzählige Menschen. Antworten darauf liefern aktuell Expertinnen und Experten des Technischen Hilfswerks (THW). So genannte Baufachberaterinnen und -berater bewerten und überwachen vielerorts einsturzgefährdete Gebäude. „Unsere Baufachberaterinnen und -berater ermitteln Schäden und Statik der betroffenen Bauten. Bei Bedarf nehmen wir dann Abstütz- und Abrissarbeiten vor“, heißt es aus der THW-Einsatzleitung in Euskirchen. Auch prüfen die Experten Optionen auf provisorische Versorgung der Haushalte mit Strom.

Nachdem in den besonders vom Hochwasser betroffenen Gebieten im Kreis Euskirchen das Wasser zurückgegangen ist, prüfen die Baufachberaterinnen und -fachberater des THW die Statik beschädigter Strukturen. Bei Bedarf entscheiden sie über weitere Maßnahmen wie das Abstützen oder Abreißen solcher Bauten. Die Fachberaterinnen und -fachberater bringen Expertise aus dem Bereich Bau mit. Sie haben beispielsweise eine Meisterausbildung im Baugewerbe, sind Architektinnen und Architekten oder Ingenieurinnen und Ingenieure. Zum Sondieren und Sichern setzt das THW seine Einsatzstellensicherungssysteme (ESS) ein. „Mit einem Laser und Reflektoren an verschiedenen Stellen eines betroffenen Gebäudes wird jede minimale Bewegung aufgezeichnet. So kann eine mögliche Instabilität früh erkannt werden“, erklärt ein Fachmann des ESS-Teams. Diese Technik hat sich schon unzählige Male bewährt, wie beispielsweise 2009 nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs.

Das THW hält für weitere Maßnahmen wie Abstützen oder Einreißen Spezialistinnen und Spezialisten mit zusätzlicher Ausstattung vor. Bergungsgruppen sichern einsturzgefährdete Gebäude mit Einsatzgerüstsystemen und bewahren sie so vor der vollständigen Zerstörung. Wenn kein Erhalt der Gebäude möglich ist, reißen die THW-Fachgruppen Räumen mit Baggern und Radladern unsichere Häuser vollständig ab.

Das Wasser riss aber auch wichtige Einrichtungen der Stromversorgung mit: Trafos, Kabel, Leitungen. Viele Menschen in der Unwetterregion sind seit Tagen ohne Strom. Die Notstromversorgung bildet daher einen Einsatzschwerpunkt des Technischen Hilfswerks (THW). Hierzu wurde in Euskirchen ein Lagezentrum „Elektroversorgung“ eingerichtet. Aktuell arbeiten THW-Teams daran, die Notstromversorgung an verschiedenen Einsatzstellen im Kreis Euskirchen sicherzustellen. Die Fachgruppe Elektroversorgung liefert Strom an große Einsatzstellen. Die Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung verfügt über spezielle Fähigkeiten im Bereich Elektroversorgung und Infrastruktur. Zusammen sorgen diese beiden Komponenten auch für eine provisorische Versorgung der Bürger mit Strom. Alle Arbeiten laufen in enger Abstimmung und teilweise auch gemeinsam mit dem regionalen Stromversorger. In Bad Münstereifel werden die Trinkwasserstellen ausgeleuchtet, damit die Menschen sicher an ihr Trinkwasser gelangen können. Elektriker haben ebenfalls jede einzelne Straßenlaterne elektrisch geprüft, hunderte Meter Kabel verlegt und Baustromverteiler angeschlossen. Gebäude wie Rathäuser oder Kläranlagen wurden durch Stromeinspeisungen versorgt und so die Infrastruktur sicher gestellt.

Mit ihrer Ausstattung und ihrem Fachwissen versuchen die Kräfte des THW mit großem Engagement, der Bevölkerung ein Stück „normales“ Leben zurückzugeben und ihr möglichstes zur Minderung der Schäden beizutragen.