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Brückenbau Roitzheim

12.12.2021
Kategorie: Einsatz, Autor: Burkhard Aehlich

Euskirchen, 10. Dezember – 2021 Rund fünf Monate nach der Flutkatastrophe konnte ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Wiederaufbau getan werden  der Bau einer Behelfsbrücke in Roitzheim durch das THW. 

Ein gigantisches Puzzle aus über 2.500 Teilen, darunter: 900 Schrauben 29,7x85 mit Mutter (Gewicht 648 kg) wurden mit drei Sattelzügen aus Willich nach Euskirchen gebracht. Ein LKW musste als Sondertransport wegen Überbreite gekennzeichnet werden; hier waren die sieben Fahrbahnplatten mit 3,05m Breite verladen und mit rund 24.000 kg Gewicht auch die schwersten Teile.

Planungen seit August

Seit August 2021, also unmittelbar nach der Flutkatastrophe, liefen bereits die Vorbereitungen für den Bau einer Brücke zwischen Roitzheim und Euskirchen. Der Abriss der beschädigten Brücke, der Bau der Fundamente für die THW-Brücke, die Unterbringung der Kräfte, der Termin für einen 500t-Kran waren nur einige Aufgaben, welche bewältigt werden mussten.

Tag 1 - Dienstag, 08.12.2021 ab 06:45 Uhr

Die Einsatzkräfte aus Bielefeld mit Fachgruppe Brückenbau, Fachgruppe Räumen, Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung und Bergung, insgesamt 28 ehrenamtlich tätige Frauen und Männer machten sich um 07:15 Uhr auf den Marsch nach Euskirchen. Zeitgleich startet der Leiter Brückenbau des THW-Ausbildungszentrums Hoya. Beim THW Euskirchen, welches den Einsatzleiter THW stellte, begannen ebenfalls die Vorbereitungen. Gegen 13:30 Uhr erreichen alle Kräfte die THW-Unterkunft in Euskirchen. Nach kurzer Begrüßung und Einweisung erfolgen bereits die ersten Maßnahmen:

· Fahrt des Marschführers zur Unterbringung der Einsatzkräfte (Katholische Bildungsstätte Steinbachtalsperre) und Klärung der organisatorischen Angelegenheiten.

· Einrichten des Baufeldes am Narzissenweg, hier Einmessen der Lagerpunkte für die Bauphase.

· Abstimmung des Zeitplans zwischen THW-Einsatzleiter und Leiter Brückenbau

Tag 2 - Mittwoch, 09.12.2021 ab 07:00 Uhr

Zwei der drei LKW mit den 2.500 Teilen stehen bereit zum Abladen. Ebenso ein 55t Kran einer Privatfirma, der, zusammen mit dem Kran des THW Bielefeld, den Aufbau unterstützt. Auf dem am Vortag eingemessenen Baufeld werden jetzt Kreuzstapel errichtet, damit die Brücke lot- und waagerecht aufgebaut werden kann. Jeweils um 10 Uhr und 15 Uhr treffen sich alle Führungskräfte zur Besprechung beim Führungsfahrzeug des THW Euskirchen. Alles läuft gut, die Arbeiten sind vor dem Zeitplan.

700t statt 500t

Während die ersten Felder bereits auf den Kreuzstapeln stehen, wird bekannt, dass ein größerer Kran für den Einhub der Brücke am Freitag kommen wird. Der 700t-Kran braucht drei Meter mehr Platz für seine Abstützungen und ragt somit in das Baufeld der Brücke. Die bisherige Arbeit war damit zwar nicht umsonst, aber kann so nicht weitergeführt werden. Alle bereits montierten Brückenteile müssen aus dem Baufeld gehoben werden und die Einmessung muss an neuer Stelle - 3m versetzt - wiederholt werden. Statt vor dem Zeitplan ist das Projekt im Zeitplan. Am Ende des ersten Bautags konnten zwei Fahrbahnplatten, wie im Bauplan vorgesehen, eingesetzt werden. Um 20:00 Uhr war Einsatzende Tag 2.

Tag 3 - Donnerstag, 10.12.2021 ab 07:00 Uhr

Heute musste die Brücke für den morgigen Einhub fertig werden. Das heißt:

· Montage der seitlichen Elemente (Dreiecke)

· Einbau der restlichen fünf Fahrbahnplatten

· Montage der sechs Krantraversen (vier kleine Längstraversen (4 m) und zwei Quertraversen von sieben Meter Länge.

Da es keine weiteren Störungen gab, konnte die letzte Fahrbahnplatte gegen 16 Uhr eingebaut werden. Mit der Montage der letzten Quertraverse um 17:30 Uhr war die Brücke fertig für den Einhub und das Tagesziel erreicht! Da der 700t-Kran auf Grund seiner Größe ab 06:00 Uhr nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen darf, musste für den kommenden Tag ein Teil der Euskirchener Mannschaft schon um 04:30 Uhr an der Baustelle sein, um mit dem Lichtmast die zweistündigen Aufbauarbeiten des Krans zu unterstützen. Allein drei Sattelzüge lieferten Anschlagmittel und 140 t Ballastgewichte für den Kran.

Tag 4 - Freitag, 10.12.2021 ab 04:30 Uhr

Der 700t-Kran ist da und baut auf! Damit steht dem Einhub der Brücke um 11:00 Uhr nichts mehr im Wege. An der Brücke werden jetzt noch Abschlussarbeiten durchgeführt:

· Einbau der Schramm­borde

· Markierung der Schrauben

· Montage von Sicherungsscheiben

Um 11:15 Uhr geht es los: Der Kran nimmt die rund 40t schwere Brücke auf und hebt sie langsam in Richtung der beiden Fundamente. Um die Brücke dann in die Kammerprofile der Fundamente einzubringen bedarf es dann doch noch Feingefühl, einen Presslufthammer und ein Kernbohrgerätes, damit die Lager richtig positioniert werden können. Um 15:30 Uhr ist der Kran entlastet - die Brücke über die Erft in Euskirchen-Roitzheim hat ihre Endlage erreicht. 

Einsatzauftrag erfüllt!