Übung Tiefbauunfall

22.07.2018
Kategorie: Übung, Autor: Burkhard Aehlich

Euskirchen, 21.07.18 - Immer wieder passiert es: Eigenheimbesitzer oder Häuslebauer werden bei Arbeiten am eigenen Haus verschüttet und geraten dabei in Lebensgefahr - nicht selten enden diese Unfälle tödlich.

Ein feuchter Keller soll trocken gelegt werden - da wird dann schon mal selbst Hand angelegt. Dabei werden die Grundregeln für ein sicheres Verbauen der Grube missachtet; das Gewicht der Erdmassen unterschätzt und dann passiert es!

Unfall Kieswerk Januar 2018

Als es Anfang des Jahres 2018 am Niederrhein zu einem Unfall mit zwei verschütteten und dabei tödlich verletzten Arbeitern in einem Kieswerk kam, nahm der Zugführer des THW Euskirchen dies zum Anlass eine Ausbildung zur Rettung von verschütteten Personen zu konzipieren. 

Ausbildung Tiefbauunfall

Um bei einem solchen Einsatzfall wissen was zu tun ist und die Möglichkeiten der eigenen Kräfte und des Materials einschätzen zu können, führten die FFW Eus­kirchen, Löschgruppe Flamersheim (8 TeilnehmerInnen) und das THW Eus­kirchen mit dem 1. Tech­nischen Zug (21) , sowie ein Team aus Nörvenich (5) eine ge­mein­same Ausbildung durch. Unterstützt wurde die Ausbildung durch einen Trainer des THW Siegburg; dort bildet das THW im Rahmen der Truppmann-Aus­bil­dung Feuerwehrangehörige in der Technischen Hilfe aus.

Bauhof unterstützt großartig

Auf der Suche nach einem geeigneten Übungsgelände wurde auch beim den Technischen Diensten der Stadt Euskirchen nachgefragt und die Reaktion war: Klar, kein Problem! - Wir unterstützen die Ausbildung wie wir können! So wurden auf einer Fläche zwei Gräben ausgehoben je 4m lang und rund 1,30m tief, so dass parallel ausgebildet und geübt werden konnte. Da dieses Gelände auch noch eingezäunt war und direkt an einem Hang lag machte die Sache perfekt.

Materialmanagement inbegriffen

So gehörte es auch zu den Aufgaben den richtigen Materialfluss an der Übungsstelle zu organisieren. Da nur ein Durchgang im Zaun zur Verfügung stand - ähnlich mit nur einem Zugang zur Einsatzstelle - durfte das Material nicht im Weg rumliegen. Die zu überwindende Böschung mit einer Höhe von gut 5m und sehr steiler Ausprägung fordert auch hier die Kreativität der Einsatzkräfte. So wurde mit Kanthölzern eine Gleitbahngebaut auf der Einwegpaletten und Kanalstützen nach oben gezogen wurden.

Beleuchtung? Beleuchtung!

Trotz Sonnenschein von Morgens bis zum Ausbildungsende war auch die Fachgruppe Beleuchtung (FGr BEL) des THW Euskirchen fest in der Ausbildung eingebunden. Zum einen war es die Bereitstellung von elektrischer Energie , aber auch um das Zusammenspiel an der Ausbildungsstelle selbst zu üben. Wo können Kabel verlegt werden, wo Stative für Scheinwerfer aufgebaut werden, ohne das diese die Arbeiten stören. Hier waren Absprachen zwischen den Akteuren notwendig. Die frühzeitige Integration der Beleuchtung bei solchen Einsatzlagen - welche durchaus mehrere Stunden dauern können - erleichtert ungemein die Zusammenarbeit. Wird Licht erst aufgebaut wenn es anfängt Dunkel zu werden, wird die Arbeit unnötig schwer.

Nach DIN 4124 und nach Ideen

Die zum Teil gemischten Gruppen von THW und FFW führten insgesamt fünf Durchgänge an den beiden Baugruben durch. Dabei wurden die folgenden Ausbauvarianten geübt:

· Zweimal senkrechter Normverbau

· Zweimal improvisierter Verbau

· Einmal Rettung Person mit den gewonnenen Erkenntnissen aus den beiden Verbau­varianten

Beim Normverbau kam die Ausführung des senkrechten Verbaus einer Baugrube zum Tragen, hier zielte die Richtung mehr in die Bergung einer verschütteten Person. Zum Einsatz kamen hier Bohlen, Kanthölzer und Kanalstützen des THW Euskirchen. Der improvisierte Verbau - unter gleichen Sicherheitsaspekten - war ausgerichtet auf das Material, was eine ersteintreffende Einheit mitbringt. Mit dem HLF der FFW Flamersheim waren das Steckleiterteile und hydraulische Rettungszylinder, sowie das Material was sich auf einer Baustelle üblicherweise befindet. Hier war dann Fantasie gefragt.

Türen und Einwegpaletten und und und...

Dazu gehörten Einwegpaletten, eine Türe und Bohlen. Damit sollte der Verbau improvisiert werden um eine in der Baugruppe verschüttete Person und eigene Kräfte gegen weitere abrutschende Erdmassen zu schützen. Im weiteren Verlauf sollte die Person dann aus der Grube gerettet werden. Diese erfolgte in Zusammenarbeit der Einsatzkräfte von FFW und THW mit Hilfe eines Spineboards.

Fazit

Tolle Ausbildung, tolles Team, tolles Gelände und das alles bei tollem Wetter! Insgesamt 34 Einsatzkräfte haben alles gegeben und rund 70 Liter Wasser getrunken, außerdem vieles gelernt und vor allem hat sich wieder bestätigt: Gemeinsam sind wir stark!