Technische Nothilfe

Die Technische Nothilfe (TN) hat mit dem heutigen THW den Gründervater Otto Lummitzsch gemeinsam, und auch in etlichen Details hinsichtlich von Aufgabenstellung über Organisation bis hin zum Fachvokabular sind sich die beiden "Geschwister" durchaus ähnlich. Trotzdem unterschieden sich die Gründungsumstände und der ursprüngliche Hauptzweck der TN deutlich von denjenigen des THW:
Aufgrund der Vielzahl von Einsatzorten überall im Reich einerseits und der sich abzeichnenden strikten Abrüstungsbestimmungen des Versailler Vertrags wurde ab Herbst 1919 parallel zur Technischen Abteilung die Technische Nothilfe als zivile Einrichtung mit gleicher Aufgabenstellung ins Leben gerufen. Binnen von fünf Jahren entwickelte sich die TN zu einer Massenorganisation mit fast einer halben Million registrierter Mitglieder. Anfangs nur zur Verstärkung der diversen militärischen Nothilfen im Reich gedacht, trat die TN ab 1921 vollständig an deren Stelle.

Ihrem eigenen Anspruch nach politisch und wirtschaftlich neutral, geriet die TN dennoch rasch in die Kritik von Gewerkschaften und derjenigen politischen Parteien, die sich in hohem Maße auf die Arbeiterschaft stützten. Denn allzu oft waren die Grenzen zwischen tatsächlichen Notstandsarbeiten und Streikbruch fließend. Dementsprechend sah sich die TN stets dem Generalverdacht ihrer Gegner ausgesetzt, auch wirtschaftliche Arbeitskämpfe zu erschweren oder gar unmöglich zu machen - und damit ein Grundrecht der Weimarer Reichsverfassung faktisch aufzuheben. Als ab 1925 Einsätze in bestreikten lebenswichtigen Betrieben immer seltener wurden, fehlte es dementsprechend auch nicht an Stimmen, die ohnehin nur provisorisch verfasste TN endlich abzuschaffen.
Dass es nicht dazu kam, lag an der aufgabenmäßigen Verlagerung auf die technische Katastrophenhilfe, zu der sich die TN bereits in ihrer Gründungsphase ebenfalls verpflichtet hatte. Hinzu kamen Anfang der 30er Jahre Aufgaben im Gas- und Luftschutz sowie im Freiwilligen Arbeitsdienst. Trotz eines drastischen Abbaus von Ortsgruppen und Personal blieb die Organisation als solche dadurch letztlich bis zum Ende der Weimarer Republik 1933 unangetastet bestehen.
Die nationalsozialistische "Gleichschaltung" ab 1933 überstand die TN nur um den Preis drastischer Eingriffe in ihre bislang bewahrte Selbstständigkeit. Otto Lummitzsch musste wegen seiner Weigerung, sich von seiner halbjüdischen Frau scheiden zu lassen, die TN verlassen. Fortan führten fachfremde SA- bzw. SS-Offiziere seine Organisation, die stufenweise in eine "technische Hilfspolizeitruppe" der Ordnungspolizei verwandelt wurde. Obgleich die Angehörigen der TN wie in anderen Organisationen auch durch eine Fälle von Bestimmungen und Vorschriften der neuen Machthaber gegängelt wurden, suchten und fanden doch auch viele dem Regime gegenüber zumindest indifferent eingestellte Personen ein Unterkommen in der Organisation - darunter ironischerweise auch Arbeiter, die der TN zuvor meist kritisch gegenübergestanden hatten.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die TN in mehrere Teile aufgeteilt: Luftschutz, unterstüzende technische Hilfeleistungen im Wehrmachtsgefolge, Instandsetzung und Aufbau von Infrastrukturen in besetzten Gebieten. Ein Teil der wehrpflichtigen Nothelfer wurde in die neu gebildeten Technischen Truppen der Wehrmacht überführt, während die von der TN geführten Luftschutzeinheiten im Reich schon bald mit zugewiesenem dienstverpflichteten Personal aufgefüllt wurden. Am Ende des Krieges hatte die TN ihr eigenständiges Profil fast vollständig verloren. Durch alliierten Kontrollratsbeschluss wurde die Organisation schließlich 1945 aufgelöst.

Die Nachwirkungen der TN-Geschichte auf die Gründung des THW 1950 waren deutlich zu spüren. Insbesondere die Gewerkschaften fürchteten, dass es auch in der jungen Bundesrepublik wieder eine staatliche Organisation geben würde, die das verfassungsmäßig verbriefte Streikrecht in Frage stellen könnte. Dass sich diese Bedenken nicht bewahrheiteten, lag mit an den vollkommen unterschiedlichen politischen Rahmenbedingungen, die nicht mehr mit den Weimarer Verhältnissen vergleichbar waren. Doch dazu mehr auf den Seiten zur Geschichte des THW.
Weitergehende Informationen zur Geschichte der Technischen Nothilfe finden sich auf der Homepage von Andreas Linhardt, Braunschweig.
Quelle: www.thw-historische-sammlung.de
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